Fischfarmen – Die nachhaltigen Bauernhöfe im Meer?
- Lars Moser
- 8. März 2016
- 2 Min. Lesezeit
Der Fisch auf unseren Tellern stammt immer weniger aus dem konventionellen Fischfang. Immer häufiger wird er in industriell betriebenen Fischfarmen gezüchtet.

Die Fischzucht in Norwegen boomt. Im Jahr 2015 erzielte die Fischereiindustrie des Skandinavischen Landes ein Rekordergebnis. Vor allem die Lachszucht mit Exporteinnahmen von 50 Mrd. nKR (5.8 Mrd. Fr.) steuert einen grossen Teil dazu bei. Im Jahr 2023 werden laut der OECD 74.5 Mio. Tonnen Fisch aus dem konventionellen Fischfang und 91.6 Mio. Tonnen aus Aquakulturen stammen. Ist die Haltung von Zuchtfischen in Fischfarmen also die Lösung für die überfischten Meere?

Dazu muss man sich erstmal fragen was denn Lachse oder Fische fressen. In der freien Wildbahn sind dies kleine Krebse, Garnelen und andere Fische. In der Zucht besteht das Futter hauptsächlich aus Fischmehl. Ein Lachs von einem Kilo Lebendgewicht hat etwa ein Kilogramm Futter gefressen, davon etwa ein Drittel Fischmehl. Um diese Menge Fischmehl herzustellen, braucht es etwa 1.2 – 1.5 Kilogramm Fisch. Jedes Jahr werden 20 Mio. Tonnen kleine Fische nur gefangen, um sie zu Fischmehl zu verarbeiten. Diese Massentierhaltung im Wasser hat jedoch noch weitere negative Folgen. In den Netzgehegen werden neben Nahrung auch Medikamente zur Eindämmung von Krankheiten, Pestizide gegen die Algenbildung und Chemikalien eingesetzt. All dies gelangt in die umliegenden Gewässer und schadet der Wasserqualität sowie anderen Wasserlebewesen.
Aus meiner Sicht ist es höchst bedenklich Aquakulturen als Mittel gegen die sinkenden Fischbestände zu betrachten. Fischfarmen richten mehr Schaden an, als dass sie helfen die Bestände zu regenerieren. Gerade die Futtergewinnung sehe ich als problematisch an. Man fängt kleine, oft noch junge Fische zur Herstellung von Fischmehl, welches dann wiederum dazu dient Fische zu ernähren. Durch dieses Vorgehen wird nur dazu beigetragen die Fischpopulationen in unseren Meeren weiter zu dezimieren. Sollte jedoch eine nachhaltige Alternative zu Fischmehl und umweltverträgliche Chemikalien entwickelt werden, welche der Umwelt in der Anwendung sowie in der Herstellung nicht schaden, ändert sich meine Meinung. Dies hiesse jedoch auch, dass die Konsumenten für Fische aus biologischer und nachhaltiger Zucht stärker sensibilisiert werden müssen. Im konventionellen Fischfang müssen die von der EU und anderen internationalen Gemeinschaften aufgestellten Fangquoten strikt eingehalten und kontrolliert werden. Dazu sind fehlbare Unternehmen mit Bussen und dem Entzug ihrer Fanglizenz zu bestrafen. Nur so gelingt es uns, die Fischbestände wieder in ihr natürliches Gleichgewicht zu bringen, damit auch zukünftige Generationen Fisch geniessen können.
Quellen:
http://www.nzz.ch/wirtschaft/norwegens-fischerei-boomt-1.18679847
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-03/aquakultur-fischzucht
http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/fischerei/nachhaltige-fischerei/aquakulturen/