Liegt es an der Faulheit?
- Janosch Bänziger
- 3. Juni 2016
- 2 Min. Lesezeit
Ich mag, wie auch die meisten meiner Mitmenschen, sehr gerne Kaffee. Der Kaffeekonsum an sich, ist schon mit etlichen Problematiken verbunden. Für die Plantagen, welche ein tropisches Klima benötigen, werden riesige Waldflächen gerodet. Dazu kommen die miserablen Arbeitsbedingungen der Plantagearbeiter. Wie auch andere Agrokulturgüter, wird auf den Plantagen mit Giften, wie schädlichem Dünger, Pestiziden und Insektiziden gearbeitet. Dies schadet zum ersten den unterbezahlten und kaum geschützten Arbeitern und vergiftet zum zweiten den Boden und das Grundwasser. Um mit (zumindest ein bisschen) besserem Gewissen den Kaffee zu geniessen, kann man auf zertifizierten BIO bzw. Max Havelaar Kaffee zurückgreifen.
Seit einigen Jahren wurden die beschriebenen Problematiken im Zusammenhang mit dem Kaffeekonsum aber noch deutlich vergrössert. Kaum jemand denkt darüber nach, aber die Kaffeekapseln sind eine wahre Katastrophe für die Umwelt. Aluminium (Das Hauptmaterial aus dem Nespressokapseln bestehen) ist eines der am aufwändigsten produzierten Materialien. Der Energieverbrauch ist enorm. Alleine in Deutschland, fallen pro Jahr rund 4000 Tonnen an verbrauchten Aluminium Kapseln an. Nespresso wirbt zwar mit einem umweltschonenden Recycling von ganzen 75% der anfallenden Abfallprodukte. Allerding entspricht (vorausgesetzt die Angaben von Nespresso sind korrekt) dies immer noch 1000 Tonnen zusätzlichem Alu-Verbrauch pro Jahr, in nur einem Land. Die Aluminiumgewinnung ist ausserdem nicht nur in der Herstellung stark klimaschädlich. Die Förderung der Rohstoffe schafft ausserdem stark toxischen Müll, welcher allzu oft einfach im Meer oder in Flüssen entsorgt wird. Zurück zum Kaffee. Wer Wert auf fair gehandelten Kaffee und einen Umwelt schonenden Anbau legt, ist bei Nespresso an der falschen Adresse. Nestlé wirbt zwar oft genug mit der Nachhaltigkeit in verschiedenen Bereichen. Wer die vergangenen Skandale, zum Beispiel über das Wasser oder den Kakao mitverfolgt hat, weiss, dass der Konzern meilenweit von seinen Versprechungen abweicht und die Ziele vermeintlich zur Imageverbesserung gesteckt werden. Nestlé im Allgemeinen, weigert sich, seine eigenen Zertifikate und Produkte durch unabhängige Kontrollen prüfen zu lassen.
Was bewegt die Menschen dazu, so viel Geld, für ein nachhaltig so katastrophales Produkt auszugeben? Ist es das mangelnde Wissen? Das fehlende Interesse? Die Bequemlichkeit? Das „George Clooney Gefühl“ aus der Werbung? Für mich persönlich ist es nur schwer zu verstehen, warum der Konzern jedes Jahr, einen solchen Erfolg verbuchen kann. Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Menschen die katastrophalen Auswirkungen von Kaffeekapseln erkennen und auf den guten, von unabhängigen Labeln geprüften, Kaffee in Form von Bohnen oder Pulver zurückgreifen.
