Mindesthaltbarkeitsdatum – eine Frischegarantie und kein Ablaufdatum!
- Lorraine Kalbermatter
- 22. Mai 2017
- 2 Min. Lesezeit
In Österreich landen jährlich mindestens 760'000 Tonnen Lebensmittel im Müll, wovon 280'000 Tonnen durch die Haushalte anfallen. Viele dieser Lebensmittel werden aufgrund des Ablaufs des Mindesthaltbarkeitsdatums ungeprüft weggeworfen, obwohl sie eigentlich noch in bester Qualität wären.
Greenpeace Österreich hat aus diesem Grund die Haltbarkeit von acht Lebensmitteln testen lassen. Die acht Lebensmittel waren: Schnittkäse, Eier, Salami, Joghurt, Soja-Joghurt, Tofu, Sesamdip und verpackter Marmor-Gugelhupf. Hierzu wurden die Lebensmittel, wie auf der Verpackung beschrieben, gelagert. Zwei Wochen nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum wurden diese erstmals mikrobiologisch und sensorisch (Aussehen, Geruch und Geschmack) geprüft. Diese Tests wurden anschliessend im zweiwöchigen Rhythmus wiederholt.

Resultat:
Einzig bei einem Produkt war das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum realitätsnah. Denn der Sesamdip (veganer Brotaufstrich) wurde beim ersten Test (zwei Wochen nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum) als „gärig“ beschrieben und wies eine hohe Hefe-Keimzahl auf.
Alle anderen Produkte konnten weit über das angegebene Mindesthaltbarkeitsdatum genossen werden, ohne dass ein Unterschied zu den frischen Lebensmitteln festgestellt wurde. Schimmel wurde beim Schnittkäse erst 56 Tage und beim Marmorgugelhupf 70 Tage nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum festgestellt. Der Salami wurde nach 70 Tagen als „stark abgetrocknet“ und geschmacklich als „sehr fest, fettig“ beschrieben und die Eier rochen 84 Tage nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr gut.
Die anderen drei der gesamthaft acht Produkte – Joghurt, Soja-Joghurt und Tofu – waren auch 112 Tage nach dem Testbeginn noch geniessbar. Die Ergebnisse entsprachen den Bestimmungen für Lebensmittel und wurden sensorisch als „unauffällig“ beschrieben. Diese drei Lebensmittel wurden im Abstand eines Monats weiter getestet.
Dieser Test zeigt auf, dass Lebensmittelproduzenten das Mindesthaltbarkeitsdatum oft viel zu früh ansetzen. Mit diesen unrealistischen Mindesthaltbarkeitsdaten sollte endgültig Schluss sein!

In der Schweiz werden jährlich zwei Millionen Tonnen Lebensmittel fortgeworfen, wovon knapp die Hälfte von den Haushalten verursacht wird. Auch bei uns Schweizern wären die meisten der weggeworfenen Produkte für den Verzehr noch einwandfrei geniessbar. Denn bei einem Test anlässlich einer Maturaarbeit wurden ähnliche Resultate wie im Test von Greenpeace erzielt. Nach drei Monaten war nämlich nur eines von elf geprüften Schokolade- und Erdbeerjoghurts nicht mehr essbar.
Die Teste zeigen eindeutig, dass die Mindesthaltbarkeitsdaten zu früh angesetzt sind und sich Konsumenten viel mehr auf den eigenen Sinn verlassen sollten. Denn um die Qualität der Lebensmittel festzustellen, reicht es meist aus diese zu riechen, schmecken, anzuschauen und auf die Konsistenz zu achten.
Quellen:
https://secured-static.greenpeace.org/austria/Global/austria/fotos/Presse/Greenpeace_MHD-Test-Ergebnisse_Februar%202017.pdf
https://secured-static.greenpeace.org/austria/Global/austria/fotos/Presse/Greenpeace_MHD-Test_Ergebnis-Bilanz.pdf
http://www.greenpeace.org/austria/de/News/Aktuelle-Meldungen/Konsum-News/2017/Lebensmittel-im-Langzeit-Check-Die-Bilanz/
https://www.srf.ch/news/schweiz/food-waste-die-krux-mit-dem-haltbarkeitsdatum
Bilder:
https://greenpeace.app.box.com/s/8j71qbnqxd6yfo00dp5g6zfawbotxinl